Versicherung 2023 – Relevanz der heutigen Marktteilnehmer

Der Markt im Bereich der privaten Haushaltsversicherungen, angefangen bei der Privathaftpflicht über die Wohngebäude und Hausratversicherung zur Privatrente und einer Riesterversorgung kann in drei Marktteilnehmer aufgeteilt werden

  1. Kundenmanager (stark vertreten insurtechs)
  2. Erst-Versicherer/Vollversicherer (die klassischen Corporates und ein paar wenige insurtechs)
  3. Rückversicherer (die klassischen Corporates)

In alle drei Kategorien gibt es heute großen und bekannten Namen: insurtechs wie WeFox oder Clark und friendsurance; Allianz, AXA, Gothaer, Volkswohlbund oder Zurich; die deutschen Big Brands MunichRe oder Hannover Rück. Es gibt auch Mischformen, ein Brand ist in mehr als einer Kategorie aktiv.

Marketshareverteilung 2018:

Betrachtet man den Marketshare 2018, so sind die Partner Erst-Versicherung und Rückversicherung klar im Markt beherrschend, aufgrund der heterogenen Landschaft des Versicherungsmarkts aber nicht von monopolen Strukturen bedroht oder im Fokus der Wettbewerbsbehörden.

Veränderungen der Marketshares 2023:

Die Entwicklung der Insurtechs führt zu einer strukturellen Veränderung des Marketshares in 2023.

Der Kundenmanager entwickelt sich aus der Nische und wenigen Kundenbeziehungen (wenige 10.000e) zu einem relevanten Zweig des Versicherungsmarkts.

Kunde ist der Bedürfnisinhaber – im Zentrum der Geschäftsmodelle

Das Verständnis und die Fokussierung auf die Kundenbedürfnisse ist durch die entstandenen Unternehmen (insurtechs) auch im Kern der Corporates angekommen. Insurtechs werden um das Bedürfnis des Kunden herum aufgebaut, nehmen sich z.B. ein Bedürfnis heraus, konzipieren eine Lösung und ähnlich wie Whatsapp, bauen Stück für Stück weitere Lösungen für weitere Bedürfnisse ein. Damit ist der Kunde immer perfekt in das Zentrum des Handelns gerückt.

Neue Versicherungsunternehmen entstehen

Im Jahr 2017 sind einige Player auf den Markt getreten, die eine eigene Versicherungslizenz beantragt haben. Unternehmen wie Coya, one oder Element bauen die Geschäftsmodelle auf Technik auf, die es erlaubt sehr viele Kundenmanager (auch die aus dem eigenen Haus, z.B. Clark bei Element) mit Produkten zu versorgen, weil diese voll digital, technisch bis letzte Detail ausgereizt in jeden Beratungsprozess einpassbar sind. Bei der Beobachtung der neuen Unternehmen sieht man die technische Exzellenz und die tiefe Verwurzlung im Start Up Umfeld mit den technisch getriebenen Lösungsansätzen von heute.

Kundenmanager mit eigenen Lizenzen

Es entstehen dadurch Kundenmanager mit eigenen Versicherungsunternehmen. Die Marktposition der Insurtechs steigt also nicht nur auf der Kundenmanagerseite durch besseren Service, sondern auch auf der Produktseite der Vollversicherer.

Rückversicherung – Lizenzportfolien werden ausgeschöpft

Die Rückversicherungen gehen gleichzeitig auf dem Markt der Erstversicherer. Sie halten schon seit Jahren Lizenzportfolien, welche auch Erstversicherungslizenzen enthalten.

Hier sieht man gerade bei der Münchener Rück, wie durch Labs in München ein klarer Weg zu mehr und diverserem Geschäft beschritten wird. Die Rückversicherer möchten zukünftig den Markt der Versicherungsleistung offensiver und mit eigener Marke mitgestalten.

Der Rückversicherer gibt die Möglichkeit, auch mit einem finanziellen Backing, an Insurtechs weiter, ohne langwierigen Prozess bei der BAFin Versicherungsprodukte viel einfacher entwickeln zu können. Dies verkürzt die Time-to-Market-Approaches auf ein zeitliches Minimum.

Gleichzeitig greift dieses Geschäftsmodell tief in den Markt der Erstversicherer ein. Aus dem Kooperationspartner Münchner Rück für die Vollversicherer wird ein Konkurrent.

Was bleibt 2023?

Der Weg der heutigen old economy Corporates in die Zukunft beginnt heute. Beide Seiten drücken auf den Markt der Erst-/Vollversicherung.

Der Kundenmanager wird zum Erstversicherer, der Rückversicherer wird zum Erstversicherer, weil ihnen die Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Der eine kann genug Kapitalgeber finden, die Risikokapital zur Verfügung stellen, der andere hat ausreichend Risikokapital und die entsprechenden Lizenzen.

Allen gemein ist, dass der Kunde mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt steht und nur dies eine Rolle für das Geschäft spielt. Zusätzlich und als gemeinsamer Treiber sind die neu geschaffenen Grundlagen des Geschäfts vollständig durchdesignte Digitalprozesse, so wie der Kunden dies wünscht und gewohnt ist, z.B. von Amazon.

Die alten Corporates müssen schnellstmöglich sämtliche Voraussetzungen schaffen, digitale Kontaktpunkte mit Vertrieb und Kunde betreiben zu können. Hierzu müssen Systeme modernisiert werden, APIs gebaut werden und die Mitarbeiter im Rahmen einer Transformation auf den Weg zu neuen Geschäftsmodelle geschickt werden.

Ein langer, schwieriger Weg für traditionelle Unternehmen wie Versicherungen in Deutschland.