Warum gibt es kein Insurtech im Bereich der Lebensversicherung?

Es gibt einige Lösungen im Bereich der Altersvorsorge (myPension, fairr, penseo etc.) und es gibt auch Protection-Lösungen (getsurance etc.), aber der Versicherungsmarkt ist beherrscht von Insurtechs, die sich mit dem Thema Sachversicherung oder mit prozessualen Themen beschäftigen und hier in sehr großer Zahl und sehr unterschiedlicher Art und Weise erfolgreich sind.

Der Versicherungsmarkt ist durch die Wellen der Insurtechs seit Jahren in Bewegung gekommen und das ist spannend, richtig und gut, da eine Erneuerung der Industrie aus dem eigenen Saft ohne Druck von außen nicht in Gang gekommen ist.

Agenda

  • Die Möglichkeiten des Lebensversicherungsmarkts
  • Was ist der Unique Selling Point der Rentenversicherung heute?
  • Wann nutzt der Kunden die Steuervorteile der Fondsgebundene Rentenversicherung?
  • Sparen einfach gemacht
  • Term-Life ist nicht komplex
  • Sachversicherung ist auch nicht einfach!
  • Fazit und Warum skaliert das nicht mehr?

Die Möglichkeiten des Lebensversicherungsmarkts

Die Möglichkeiten in der Lebensversicherung (ich benutze den Gesellschaftsbegriff als Rahmen für Savings, Pensions und Protection) sind vielfältig und aber für den Kunden oft zu undurchsichtig.

Hier sehe ich viele Anknüpfungspunkte für Insurtechs, die Wertschöpfungskette mit neuen Ideen zu nutzen und für den Kunden einen Mehrwert zu erzeugen. Das konsequente Denken aus Kundensicht und die kundenorientierte, einfache und durchsichtige Gestaltung der Produkte sind von Insurtechs bereits erzielte Erfolge, die auch für die Lebensversicherungsprodukte gelten können.

Was ist der Unique Selling Point der Rentenversicherung heute?

Eine fondsgebundene Rentenversicherung hat zwei vermeintliche Vorteile gegenüber eine Fondssparplan, der Rentenfaktor und die Möglichkeit zum Shift in einem steueraufschiebenden Rahmen. Eigentlich erhält der Kunden aber nur einen Sparplan, den er im Alter ab 62 verrenten kann. Die wenigsten Verträge werden während der Laufzeit angefasst, außer zur Entnahme und oder zu Kündigung. Beide immer wieder angeführten Vorteile werden nicht genutzt und könnten damit auch entfallen.

Bei der klassischen/konventionellen Rentenversicherung ist es nur der Rentenfaktor.

Wann nutzt der Kunden die Steuervorteile der Fondsgebundene Rentenversicherung?

Die Erfahrungen aus den Beständen sind ernüchternd, „Trader“ findet man keine, Interessierte schon eher, tatsächlich ist die Wechselquote aber eher in einem sehr schwachen einstelligen Prozentbereich. Gründe hierfür sind vielfältig und offensichtlich: Der Kunden hat keine Ahnung und keine Lust und schlechtesten Fall beides kumuliert. Also nimmt der Kunden keinen der Vorteile in den Fokus.

Sparen einfach gemacht

Der Kunde könnte auch kaufen, was er nutzt, eine gestrippten Sparplan mit einem Roboadvise in der Anlagephase und wenn er es unbedingt möchte, einen Rentenfaktor. Das wäre alles, was er heute auch nutzt in einem Produkt, einfach, verständlich, auf drei oder vier Seiten Versicherungsbedingungen mit Beitragseinzug, Rentenzahlung, Rentenfaktor und Fondsinvestmentbeschreibung.

Fintechs setzen als Kapitalanlagespezialisten dort an und programmieren clevere Algorithmen für die Portfolien der Kunden, die Trendfolgen der Märkte und Lifecycle der Kunden berücksichtigen. Mit Scalable und fairr.de sieht man die ersten Player, die Lebensversicherung einfach machen und die Kapitalanlage dem Kunden weitgehend oder vollständig abnehmen. Es bedarf keiner Versicherungslösung, um Vorsorgesparen zu ermöglichen.

Term-Life ist nicht komplex

Heute könnte man mit der Erfahrung der Insurtechs schnell, einfach und sinnvoll für den Kunden eine Risikolebensversicherung bauen, die komplett digital und mit einem dahinterliegenden Medizincheck über AI binnen Minuten die Police versendet, zumindest für >70% der Fälle. Warum passiert das nicht? An der Marge kann das nicht liegen. Der Preis kann über die starke Digitalisierung ebenfalls niedrig und damit wettbewerbsfähig gehalten werden. Ladder aus den USA ist ein gutes Beispiel, die Police landet nach <8 min im Maileingang des Kunden.

Sachversicherung ist auch nicht einfach!

Produkte im Bereich der Sachversicherung sind weder einfach, noch einfach zu handhaben. Die Versicherungsbedingungen sind komplex und der sehr viel häufiger (als bei der Lebensversicherung) ausgelöste Claims-Prozess ist fehleranfällig, intensiv im Kundenkontakt und kann sehr kostspielig. Die richtige Deckung zu finden und dort nicht über Bausteine immer wieder mehr Leistungen in die Produkte einzubauen, hat nicht zur Vereinfachung beigetragen.

Der Hauptfaktor für die Sachversicherung bleibt die Jahresvertragsregelung, die eben keine langfristigen Kundenbindungen und Verpflichtungen auf der Versicherer-Seite erfordern.  Zusätzlich sind die Insurtechs dazu übergegangen, neben den Item-Versicherungen, die Ausschnitte der Deckung neu zu schneiden und auf einfache Produkte Wert zu legen. Die garantierte Leistung der Sachversicherung ist fixiert, objektorientiert und in der Höhe in der Regel kalkulierbar.

Fazit

Wenn die Kundenorientierung ernst genommen wird, können Verträge angeboten werden, die eine einfache Struktur und niedrige Kosten haben. Das Kapitalanlagerisiko wird durch die Fondskonstrukte auf den Kunden abgewälzt. Gleichzeitig könnte der Kunden die Steuerarbitrage weiter nutzen und müsste sich nicht darum kümmern., da Advisor eine künstliche Intelligenz ist.

Warum skaliert das nicht mehr?

Fakten, die die Umsetzung hindern, sind die Komplexität der Produktwelt, Rahmenbedingungen und Regulatorik, Anlagemarkt, Zinsen, komplizierte Versicherungsbedingungen und die veralteten Systeme in den Lebensversicherungen, die auf moderne Anforderungen nicht eingestellt sind.

Wer hier modernisiert und dann noch stark vereinfacht wird die Kunden am leichtesten überzeugen.